Frankfurt (Oder), 29. April 2026 – Wenn Patientinnen und Patienten ins Klinikum kommen, steht die medizinische Behandlung im Mittelpunkt. Doch auch die Ernährungstherapie beeinflusst den Verlauf von Genesung und Therapie maßgeblich. Am Rhön-Klinikum Frankfurt (Oder) ist das Ernährungsteam seit 20 Jahren ein fester Bestandteil der Versorgung und Betreuung.
Das dreiköpfige Team arbeitet eng mit Medizin und Pflege zusammen, ist fest in die Abläufe der Kliniken eingebunden und betreut alle Fachabteilungen. Besondere Schwerpunkte liegen in der Diabetologie, Onkologie sowie Pädiatrie. Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten gezielt zu unterstützen und nach der Entlassung weiter zu begleiten.
Zum Team gehören Anja Weinkauf, Diplom-Ökotrophologin (FH), Katja Artner-Münch, Ernährungswissenschaftlerin, sowie Sandra Schmidt, Diabetesberaterin DDG. Die zertifizierten Expertinnen sorgen dafür, dass die Empfehlungen der Ernährungs- und Diabetestherapie im Klinikalltag konsequent berücksichtigt und nach aktuellen Leitlinien umgesetzt werden.
Im Interview erklärt Anja Weinkauf, wie sich die Arbeit in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat:
Welche Vorteile bietet die Ernährungstherapie für Patientinnen und Patienten?
Abhängig von der Diagnose beraten wir die Betroffenen und ggf. ihre Angehörigen individuell. Dabei orientieren wir uns an der Erkrankung, an der persönlichen Situation sowie den aktuellen Leitlinien. Unsere praktischen Empfehlungen können die Patientinnen und Patienten während und nach dem stationären Aufenthalt umsetzen, um ihren Ernährungszustand zu unterstützen. Wir nutzen dabei auch die Möglichkeiten der klinischen Ernährungstherapie, indem wir enterale Trink- und Sondennahrungen sowie parenterale Nährlösungen empfehlen. Die ambulante Versorgung durch die MVZ-Praxis für Ernährungstherapie erleichtert dabei die poststationäre Versorgung.
Welche Rolle spielt Ernährung bei Krebserkrankungen?
Viele Betroffene verlieren während der Therapie an Gewicht und Muskulatur, haben wenig Appetit oder leiden unter Geschmacksveränderungen. Hier ist es wichtig, früh die Ernährungsprobleme zu erkennen, die Ernährungstherapie im Verlauf auszuwählen und ggf. anzupassen, damit der Ernährungszustand erhalten bzw. verbessert wird. So lässt sich die Behandlung unterstützen, die Selbstwirksamkeit stärken, Ängste abbauen und die Lebensqualität fördern.
Und bei Diabetes?
Im Klinikalltag sehen wir häufig stark schwankende Blutzuckerwerte. Entscheidend ist, Ernährung, Medikamente und Bewegung gut aufeinander abzustimmen. Dabei geht es nicht um starre Verbote, sondern um Lösungen, die im Alltag funktionieren. Ziel ist es, Unter- und Überzuckerungen zu vermeiden und den Patientinnen und Patienten Sicherheit für zu Hause mitzugeben. Auch hier ist die ambulante Betreuung durch das MVZ Diabetologie sehr wertvoll.
Welche Rolle spielen Diabetes-Schulungen?
Die Schulungen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Viele Fragen entstehen erst im Alltag – beim Essen, beim Einkaufen oder bei Bewegung, z. B. Gartenarbeit. Deshalb vermitteln wir nicht nur Wissen, sondern zeigen ganz konkret, wie sich die Ernährungs- und Diabetestherapie im Alltag umsetzen lässt.
Was hat sich noch verändert?
Die Ernährungs- und Diabetestherapie ist heute fest in die Klinikabläufe eingebunden. Wir nehmen an Visiten teil und besprechen Fälle gemeinsam interdisziplinär. Außerdem haben sich klare Standards entwickelt, die eine verlässliche Versorgung sichern. Themen wie Mangelernährung oder Ernährung bei komplexen Erkrankungen sind stärker in den Fokus gerückt. Auch die Verzahnung mit der ambulanten Weiterbehandlung ist deutlich wichtiger geworden. Seit 2023 betreuen wir auch die großen und kleinen Patientinnen und Patienten im Sozialpädiatrischen Zentrum des Klinikums.
Wie läuft die Zusammenarbeit im Klinikalltag?
Eine enge Abstimmung mit Ärztinnen, Ärzten und Pflege ist entscheidend. Gerade bei komplexen Krankheitsbildern greifen die Maßnahmen nur dann sinnvoll ineinander.
Was gehört noch zu Ihren Aufgaben?
Wir schulen Pflegekräfte und unterrichten in der Pflegeschule. Zudem betreuen wir Studierende sowie Praktikantinnen und Praktikanten und geben Einblicke in den Arbeitsalltag des Ernährungsteams. Darüber hinaus referieren wir bei Fach- und Patientenveranstaltungen und übernehmen die Standbetreuung, z. B. beim „Tag der offenen Tür“. Gruppenschulungen, etwa in der Schmerztherapie, fördern den Austausch und die Lebensqualität der Teilnehmenden.
Was hat sich organisatorisch getan?
Viele Abläufe sind heute digital organisiert. Anforderungen, Empfehlungen, Dokumentation und Kodierung erfolgen EDV-gestützt, das erleichtert die Abstimmung im Alltag und gibt den Behandelnden eine Übersicht über die Leistungen bei den Patientinnen und Patienten.
Welche Rolle spielt die ambulante Weiterbetreuung?
Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Manche Themen lassen sich im Klinikaufenthalt nur anstoßen, da Patientinnen und Patienten rasch entlassen werden oder noch Schmerzen bzw. Beschwerden haben. Umso wichtiger ist es, die Betroffenen auch danach weiter zu begleiten, ihnen verlässliche Strukturen mitzugeben und in der Region als kompetente Ansprechpartner erreichbar zu sein. Die MVZ-Praxis Diabetologie, die MVZ-Praxis für Ernährungstherapie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie die SPZ-Sprechstunde sind für die Patientinnen und Patienten essenziell.